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In uns ist LichtMichael Wäser erzählt in diesem Roman in zwei Handlungsfäden erzählt - der eine spielt um 1830 in Paris und Berlin in der Welt der Porzellanmanufakturen, der andere ist in der Gegenwart angesiedelt. Die beiden Stränge wechseln kapitelweise und verweben sich peu à peu: Um 1830 hat sich ein begabter Porzellangestalter, der in Paris Lithophanien herstellt, in eine junge Adelige verliebt. Während die großen sozialen Umbrüche der Restauration stattfinden, schreiben sie einander heimliche Briefe von ebenso hoher Poesie wie harschem Aufklärertum und klarem Feminismus. Schließlich muß der verliebte Porzallankünstler nach Berlin und wird hier mit seinem außergewöhnlichen Können und Wissen um Porzellan-Bilder mit offenen Armen aufgenommen. Aber warum läßt er seine große Liebe zurück?

Im zweiten Erzählfaden hat ein Flüchtling, einst in seiner Heimat Foto-Journalist, sich im heutigen Berlin mit einem älteren Ehepaar angefreundet. Sie bitten ihn, eine ungewöhnliche Serie von Lithophanien für sie zu fotographieren, die sie antiquarisch erstanden haben. Ist auf einer dieser Platten etwa ein Verbrechen abgebildet? Dokumentieren die Lithophanien gar einen unentdeckten Mord am Ufer der Seine?
Gemeinsam recherchieren die drei. In Paris, Sèvres und Berlin hilft man ihnen, und sie sind fasziniert von der Welt des Porzellans. Und hier beginnen sich die beiden Handlungsebenen zu verbinden.

Michael Wäser, der unter anderem vom Deutschen Literaturfonds für seine literarische Arbeit ausgezeichnet und für eines seiner Drehbücher vom Kuratorium für den jungen deutschen Film gefördert wurde, erzählt mit subtiler Kenntnis vom »weißen Gold« und mit großer Begeisterung für dessen Symbolkraft. Er hat in zwei Zeiten höchst sensibel Figuren und Lebensformen gezeichnet, die uns in ihren jeweiligen historischen und persönlichen Bedingtheiten anrühren. Dabei hat er – wie bereits in seinem Roman-Glanzstück »Warum der stille Salvatore eine Rede hielt« – einen Roman geschrieben, der reich an ungewöhnlichen Figuren und an eindrücklichen, lebhaften Szenen ist. Dass erzählerische Kunstfertigkeit nicht zu weltenthobener Unterhaltung abstumpft, hatte er bereits in seinem Roman »Familie Fisch macht Urlaub« bewiesen, hier nun leuchtet er in hartem, fotographischem Blick die politische Geschichte der Gleichberechtigung aller Menschen aus (beziehungsweise deren 250jähriges Misslingen!) wie er auch die menschlichen und gesellschaftlichen Wirkungen halbherziger Flüchtlingspolitik vorführt.
Die Wucht des Verliebtseins, die Härten der Heimatlosigkeit, die Macht von Freundschaften und Empathie sind Michael Wäsers große Themen – er gewinnt ihnen wesentliches ab und berührt mit seinem Erzählen, weil er die Gefährdung all dessen ständig ergreifend mit erzählt.

Das Buch ist erschienen im axel dielmann - verlag